GENIUS for all

Prof. i.R. Dr. Walther Dreher

Universität zu Köln

Kultur der Vielfalt

  GENIUS for all

Global

Education

Network for an

Inclusive

Universal

Society

Selbstvertretung von Menschen mit Behinderung

 

 

Unter dem Stichwort ‚IncluCity Cologne‘ sind beispielhaft Vorträge zu lesen, die zeigen, wie diese Gruppe ‚erwachsener Behinderter‘ sich versteht, welchen Beitrag sie für das Gemeinwesen leistet und welche Forderungen sie an die Gesellschaft hat.

 

 

Der folgende Beitrag berichtet über die Entstehungsgeschichte, die Aktivitäten und zukünftigen Intentionen von IncluCity Cologne. Er ist erschienen in der Festschrift für Dr. Jürgen Münch:

 

Kerstin Ziemen, Anke Langner, Andreas Köpfer & Saskia Erbring (Hrsg.) Inklusion –
Herausforderungen, Chancen und Perspektiven, Hamburg 2011, 183-193.

 

 

 

Die Diakonie Stetten hat IncluCity 2009 zu einer Fortbildungsveranstaltung 'Einmischen, Mitmischen, Selbstmachen' eingeladen. An ihr haben Thorsten Steinbach als Referent und ich als sein Assistent teilgenommen. Thorsten Steinbach hat über 'IncluCity Cologne' und seine Erfahrungen berichtet. Ich habe über die Entstehung von 'IncluCity Cologne' gesprochen und wie sich bis dahin die Initiative entwickelt hat.

 

Unsere Artikel der Fortbildungsveranstaltung finden Sie hier:

 

Sprechtext von Thorsten Steinbach zum Vortrag in der Diakonie Stetten:

 

„Wir nennen uns IncluCity Cologne.
Ich darf uns vorstellen, zuerst den Assistenten: Das ist Walther Dreher. Ich bin Thorsten Steinbach. Wir möchten Ihnen heute berichten, was Menschen mit Lernschwierigkeiten in Köln dafür tun, dass Köln eine Stadt für alle wird.

 

Wir erzählen darüber, wie wir arbeiten und was wir zusammen erreicht haben.

 

Wer gehört alles zu IncluCity dazu?

 

IncluCity Cologne, das sind nicht nur wir, die hier sitzen. Das sind noch andere Menschen mit verschiedenen Behinderungen und Unterstützer. Sie sehen, dass auf dem Bild an der Wand noch eine Lücke ist. Das heißt, neue Leute sind bei uns herzlich willkommen.

 

Warum arbeiten wir alle bei IncluCity mit?

 

Wir haben gemerkt, dass wir und über die gleichen Sachen ärgern. Wir ärgern uns über Schwierigkeiten, die Menschen mit Behinderung oft haben. Es ist wichtig für uns ein gemeinsames Thema zu haben. Deswegen treffen wir uns. Ich gehe auch zu IncluCity, um andere Leute zu treffen. Und weil es mir Spaß macht.

 

  • IncluCity will, dass alle Einwohner Kölns auch dazu gehören. Egal ob mit oder ohne Behinderung.
  • IncluCity will Rechte für Menschen mit Behinderung durchsetzen.
  • IncluCity will in Köln mitbestimmen. Wir berichten darüber.
  • IncluCity will eigene Interessen vertreten, die dann auch umgesetzt werden sollen.

 

Wo sin mer dabei?

 

  • Wo es um die Rechte und Wünsche von Menschen mit Behinderungen geht
  • Wo Dinge diskutiert werden, die uns stören
  • Wo wir etwas dazu zu sagen haben

 

Da sin mer von IncluCity überall dabei.

 

 

Am 4. September vor einem Jahr haben vier Vertreter von IncluCity, unterstützt durch Thorsten Steinbachs Assistent Knut Walther und den beiden Assistentinnen Karin Terfloth und Pia Görg, über fünf wichtige Themen gesprochen. Sie haben die Probleme und Lösungsmöglichkeiten vorgestellt.

 

Die gesamte IncluCity-Gruppe wurde am 4. September 2008 in die Stadtarbeitsgemeinschaft eingeladen, um über Wünsche und Bedürfnisse von Menschen mit Lernschwierigkeiten zu berichten.

 

Die Themen waren Bus und Bahn, Wohnen, Freizeit und Kultur, Schule und Arbeit. Wir haben dann Forderungen formuliert. Diese Forderungen wurden ins Handlungskonzept der Kölner Behindertenpolitik aufgenommen. Das Handlungskonzept ist ein Leitfaden für die Behindertenpolitik in Köln. Das Thema ist sehr aktuell, aber im Rat der Stadt Köln muss noch darüber abgestimmt werden.

 

Ein weiterer Erfolg aus unserer Arbeit ist eine Beschlussempfehlung für die Verwaltung zum Thema „Leichte Sprache in Ämtern und Behörden“. Das heißt, dass die Verwaltung sich bemüht leichte Sprache in ihrer Arbeit zu verwenden.

 

Wie ich gerade erklärt habe, werden wir als Experten zum Thema ‚leichte Sprache‘ angesehen. Deshalb wurden wir angefragt, bei einer Fortbildung in leichter Sprache für die Mitarbeiter der Stadtverwaltung mitzumachen. Dass wir Verantwortliche in der Stadt weiterbilden, ist für uns ein großer Erfolg. Wir haben dort berichtet, warum wir im Alltag leichte Sprache brauchen und wie man diese gut benutzen kann.

 

Wir nehmen an Tagungen in Köln und außerhalb teil und halten Vorträge, z. B. in Bad Honnef, Mainz, Stetten, Polen und Ungarn. Wir haben auch bei einer Tagung in Essen einen Vortrag gehalten und dort von unserer Arbeit berichtet. In einem anschließenden Workshop ergab sich für die Teilnehmer die Idee auch eine Selbstvertretungsgruppe in Essen zu gründen.

 

Wir werden von verschiedenen Institutionen oder Gruppen angefragt, um über uns und unsere Arbeit zu berichten. So haben wir einen Artikel für eine Fachzeitschrift in Österreich geschrieben, in welchem wir uns kurz vorgestellt haben. Der größere Teil bestand darin, über unsere Arbeit zu erzählen. Wir werden als Experten für Menschen mit Lernschwierigkeiten in Köln gefragt. Über die Stadtarbeitsgemeinschaft Behindertenpolitik haben wir bereits berichtet. Darüber hinaus werden wir als Experten zur Mitarbeit bei verschiedenen Projekten angefragt.

 

An zwei Projekten haben wir bereits mitgearbeitet:

 

Projekt HIP: HIP heißt Hilfe bei der Hilfeplanung.

 

Wir haben ein Heft in leichter Sprache erstellt, das die Fragen und den Ablauf bei der individuellen Hilfeplanung erklärt. Das war ein Projekt in Zusammenarbeit mit den KoKoBes, Behinderteneinrichtungen, der Universität zu Köln und dem Landschaftsverband Rheinland.

 

Projekt Stadtführer Köln:

 

Es gibt einen Stadtführer in leichter Sprache. In diesem werden neun Stadttouren in leichter Sprache vorgestellt, d. h. es werden Wege und Sehenswürdigkeiten von Köln in leichter Sprache beschrieben. Am Projekt „Stadtführer in leichter Sprache“ für Köln haben wir indirekt mitgewirkt. All unsere Punkte, die wir bei leichter Sprache für wichtig halten, wurden bei dem Stadtführer berücksichtigt. Bei der Präsentation des Stadtführers in der Öffentlichkeit und im Fernsehen habe ich als Experte für leichte Sprache teilgenommen.

 

Wir wollen, dass die Kölner wissen, dass es IncluCity gibt und dass wir mehr in der Öffentlichkeit mitarbeiten wollen. Wir wollen, dass Menschen mit Lernschwierigkeiten sich selbst bestimmt an der Wahl beteiligen. Wir wollen, dass die Wahlprogramme aller Parteien ebenfalls in leichter Sprache geschrieben werden, damit sich die Menschen mit Lernschwierigkeiten ein Bild machen können, welche Aufgaben sie überhaupt haben und wie diese Parteien sich für Menschen mit Lernschwierigkeiten einsetzen. Und dann wissen Menschen mit Lernschwierigkeiten auch, wen sie wählen wollen. Auf diese Weise können Parteien unsere Stimmen gewinnen. Es gibt viele Gruppen in Köln, die wir kennen lernen wollen und mit denen wir zusammen arbeiten wollen.

 

Gemeinsam sind wir stark!

 

Auch wir möchten als Selbstvertretungsgruppe in Köln selbstverständlich dazugehören. Wir wollen, dass Köln eine Stadt für alle ist.

 

Eine IncluCity eben!

 

Wir wünschen Ihnen, dass Sie nicht nur heute sich ‚Einmischen‘ und ‚Mitmischen‘ und ‚Selbstmachen‘ - sondern auch in der Zukunft!“

 

Ende des Textes von Thorsten Steinbach